Künstlervita
Lais, Otto

Otto Lais ist am 19. Oktober 1897 in dem kleinen Ort Wilferdingen, zwischen Pforzheim und Durlach, als Sohn eines Lehrers geboren.

Sein Vater war ein begabter Zeichner, Karikaturist und Komponist. Da er bald nach der Geburt seines Sohnes nach Durlach versetzt wurde, hat Otto Lais die Stadt Durlach beziehungsweise Karlsruhe, in das Durlach 1938 eingemeindet wurde, immer als seine eigentliche Heimat betrachtet. Er besuchte das Durlacher Gymnasium und rückte pflichtgemäß 1914 mit knapp 17 Jahren in den Ersten Weltkrieg ein, aus dem er 1918 heimkehrte.

Nach einjähriger Ausbildung an einem Lehrerseminar legte er die Lehrerprüfung ab. Da er das zeichnerische wie das musikalische Talent vom Vater geerbt hatte, suchte er in nachmittäglichen Nebenstunden sich diesen Neigungen gemäß auszubilden.

1920 belegte er am damaligen Konservatorium für Musik in Karlsruhe Komposition, Violine und Klavier. Er illustrierte seine Musik durch Zeichnungen, fühlte sich dann aber immer mehr zur Karikatur hingezogen. Die Karlsruher humoristisch-satirische Halbmonatszeitung „D’Latern“ brachte im 4. Jahrgang 1922 eine Reihe seiner hauptsächlich politischen, das Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen kennzeichnenden Karikaturen.

Unter dem Eindruck dieser Talentproben wurde Lais, der inzwischen als Lehrer ausschließlich Zeichen- und Werklehre unterrichtete, vom Staatlichen Schulamt für je zwei Tage in der Woche zum Studium an der damaligen Karlsruher Badischen Landeskunstschule (staatliche Akademie der bildenden Künste) freigestellt.

Hier widmete er sich ganz den graphischen Künsten, insbesondere der Radierung. Zwar fehlte es Lais nicht an ideeller Anerkennung, aber das materielle Entgelt war naturgemäß gering, wenn auch frühe Ankäufe seiner Radierungen durch die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe und insbesondere durch die vermögenden Privatsammler, Kaufmann Otto Oppenheimer in Bruchsal und Heinrich Stinnes in Köln, den Bruder des Großindustrieellen Hugo Stinnes, nicht unerwähnt bleiben sollen.

Otto Oppenheimer in Bruchsal war passionierter Hans Thoma- und Karl Hubbuch-Sammler, bei ihm lernte Lais auch die meisterhaften Zeichnungen Rudolf Schlichters kennen.

Bei all diesen künstlerischen Begabungen blieb Lais immer Lehrer und er war, da bei ihm pädagogische Neigung und Lehrfach zusammenfielen, Lehrer aus Passion. Noch ehe er an die Karlsruher Uhlandschule, an der er bis zum Zweiten Weltkrieg blieb kam, war er überdies von der Sozialbehörde als ehrenamtlicher Sozial- und Wohnungspfleger eingesetzt.

Er ging in die Quartiere der Armen und betreute sie. Aus dieser Zeit rühren die Wurzeln der Sozialkritik in seinem künstlerischen Werk. In der Schillerschule, damals Bügerschule genannt, unterrichtete er die Klasse der sogenannten Reichsausländer, in der Flüchtlingskinder aus den Ausgang des Ersten Weltkrieges verloren gegangenen ehemals polnischen Reichsgebiet zusammengefasst waren, in Deutsch und Zeichnen. Indem er die Objekte zeichnete, brachte er den Kindern deren deutsche Aussprache bei. Die Hauptarbeit aber leistete Lais in der Uhlandschule. Sie war eine ausgesprochene „Versuchsschule“, die sich – die heutigen Erzieher mögen staunen! – als einfache Vilksschule einen eigenen kunsterzieher leistete.

An dieser Schule hat Lais mit seinen Schülern die Ideen des Bauhauses und die damals bekannt werdenden frühen Abstrakten pädagogisch erarbeitet. Dabei kam ihm zugute, dass er in freundschaftlichem Gedankenaustausch mit dem Polen Max Krajewski stand, der als Assistent von Walter Gropius 1928/29 beim Aufbau der damals wegweisenden Karlsruher Dammerstock-Siedlung tätig war.

1923 heiratete Lais Mona, die Witwe des gefallenen Fliegers und negabten Lieblingsschülersvon Trübner, des Malers Ernst ewald. Das künstlerische Schaffen von Otto Lais konzentriert sich auf die zehn Jahre zwischen 1921 und 1931 und zwar fast ausschließlich auf Radierungen.

Die politische Unruhe des Jahres 1932 setzte die Zäsur. Ab 1933 entfiel der Anreiz zum Schaffen, da Lais es ablehnte, Mitglied der „Reichkulturkammer“ zu werden und so keine Ausstellungsmöglichkeit mehr hatte. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde er sofort eingezogen. Nach seiner Heimkehr 1945 fand er eine Wiederanstellung als Schulrektor in Karlsruhe-Hagsfeld. Er blieb im Schuldienst bis 1964. Seine Frau Mona starb 1968.

Das Radieren auf Zinkplatten lernte Otto Lais bei Walter Conz, der ihm Atelier und Modelle zur Verfügung stelle.

Eingeliebter Treffpunkt der Karlsruher Künstler nach dem Ersten Weltkrieg war das Kabarett-Kaffee Röderer in der Altstadt im Herzen der Stadt (die in wenigen Jahren, nach ihrer Sanierung, nur noch Legende sein wird). Bis zum Ersten Weltkrieg war es als „Kaffee Maxim“ mit seinen Separées der Treffpunkt der Offiziere, nach dem Ersten Weltkrieg wichen die Separées einem großen Tanzlokal unter dem Namen Kaffee Röderer. Im zweiten Stock wurde eine Art Tropfsteinhöhle mit dezenter roter Beleuchtung eingerichtet, die dann unterm dem Namen „Korallengrotte“ ein Anziehungspunkt für Lebenmänner und Künstler wurde, die hier bei den Altstadt-Schönheiten in einer etwas kleinbürgerlich-erotischen Atmosphäre ihre Milieustudien betrieben.

Hier hat Lais, zusammen mit dem ihn öfters begleitenden Wilhelm Schnarrenberger, die Vision seiner „Trostarmen Blätter“ erschaut, denn in seine mitunter überschäumende Lebensfreude mischte sich unabweisbar immer wieder die tiefe Melancholie seines Wesens.

Nach seiner Heimkehr 1945 hat Lais nicht mehr radiert. Er verlegte sich auf das Malen in Öl beziehungsweise mit einer Mischung von Öl und erdigem, dick auf Papier und Karton aufgetragenem Material. 

Ötto Lais ist mit seinen Radierungen in die zeitgeschichtliche Anklage vorgestoßen. Ätzende Sozialkritik wie etwa bei Grosz, Dix und Hubbuch, lag Lais nicht, er hat auch im Gegensatz zu diesen, das Kriegserlebnis nie künstlerisch verarbeitet. Anklage lag ihm nicht, ihm ging es mehr um Mitleiden und Versöhnung.

In vielen Blättern von Lais steht die Frau im Mittelpunkt. In der gesamten Kunst von otto Lais geht es im Grunde um die Frau, um ihre Größe, aber viel häufiger noch um ihren Niedergang und ihr Elend. In diesem Zentralpunkt zeigt der Künstler geradezu manische Züge.

Otto Lais Otto Lais starb am 5. März 1988 in Wegberg-Merbeck.